Meine Geschichte

Danke, dass Du Deine Geschichte geteilt hast. Es ist immer wieder faszinierend wohin die Wege einen tragen, wenn man sie beginnt zu gehen. Ich möchte Dir nun meine Geschichte erzählen: Mein Name ist Christophorus. Ich bin seit dem ich mich erinnern kann ein großer Mensch gewesen, manche behaupten ein Riese. Diese Kraft, die ich habe, wollte ich in den Dienst des mächtigsten stellen. Mit dieser Idee habe ich mich auf den Weg gemacht. Ganz schön herausfordernd. Auch damals schon: Lange vor Deiner Zeit.

Meine erste Station führte mich zu einem König von dem man sich Land auf und ab berichtete er sei der Einflussreichste von allen. Prunkvoll war seine Burg, gut bewaffnet sein Militär und eindrucksvoll seine Macht. Der wohl mächtigste König. Als ich eines Tages wieder einmal bei einem seiner pompösen Festen beiwohnte, spielte ein Gaukler ein Lied über einen König ohne Burg auf. Er nannte ihn Teufel. Er sang darüber, wie er durch die Wälder streifte und nur Chaos im Sinne hat. Ich sah, wie der König beim Hören des Namens Angst bekam. Seine Hände zitterten. Jedes Mal, wenn der Gaukler den Namen „Teufel“ sang, zeichnete er mit seiner Hand ein Kreuz auf seinen Körper zum Schutze. Mir wurde klar: Nicht dieser König, sondern der Teufel schien der mächtigste Herrscher auf dieser Welt zu sein.

Ich stand auf und verließ den Hof, um den Teufel zu finden. Dabei folgte ich einer Spur von zerstörten Häuser, die der Teufel mit seinen Reitern hinterließ. Nach mehreren Tagen und Nächten fand ich ihn. Ich schloss mich ihm an und half ihm Chaos zu verbreiten. Ich sah wie die Leute Angst und Schrecken bekamen, wenn wir in Ihr Dorf einritten und es zerstörten. Ja, so musste es sich anfühlen Macht zu besitzen. Der Teufel war ein wahrhaft mächtiger König. Doch nach einer Weile fiel mir auf, dass er Kreuze mied. Erblickte er eins am Wegessrand, schlug er einen anderen Weg ein. Mir fiel wieder ein, dass auch der König sich bekreuzigte, als er den Namen des Teufels hörte. Der Herrscher, für den das Kreuz als Symbol stand, musste der Mächtigste sein.

So verließ ich auch den Teufel und machte mich auf den unbekannten Herrscher zu suchen. Ich irrte mehrere Tage und Nächte durch das Land. Überall sah ich Kreuze am Wegessrand, aber nirgendwo einen Hinweis, wo er sein könnte. Keine Spur der Zerstörung, die mir den Weg wies. Überall schien er zu sein, aber nirgendwo konnte ich ihn treffen. Völlig erschöpft klopfte ich am Ende eines Tages der vergeblichen Suche an die Türe eines einsamen Hauses.

Eine junge Frau machte mir die Tür auf, lud mich in ihr Haus ein, bereitete mir ein Abendessen und fragte mich: „Was suchst Du?“ - „Ich suche den mächtigsten Herrscher der Welt. Den für den all diese Kreuze aufgestellt werden!“, antwortete ich. Sie lächelte. „Es ist nicht immer einfach ihn zu finden“ – „Kennst Du ihn?“ - „Ich glaube.“ - „Ist er der mächtigste Herrscher?“ - „Es gibt keinen mächtigeren“, versicherte sie. „Was muss ich tun?“, fragte ich – fest entschlossen ihn zu finden. „Hörst Du das Rauschen des Flusses, der am Fuße dieses Berges strömt?“, fragte sie. „Ja“, antwortete ich. „In diesem Fluss sind schon viele Menschen umgekommen, weil er so tief und so wild ist. Du aber bist stark. Wenn Du den Herrscher treffen willst, setze dich an den Fluss, trag die Menschen hinüber und warte.“

Ich tat es. Über viele Jahre hinweg lebte ich am Fluss. Wartete. Trug die Menschen hinüber. Warten. Tragen. Warten. Viele Jahre lang.

Bis ich eines Nachts eine junge Stimme hörte. „Trag mich hinüber.“ Der Satz weckte mich aus dem Schlaf. „Trag mich hinüber“, sagte das Kind erneut. Ich fragte nicht nach. War viel zu müde. Nahm meinen Stock in die Hand, das Kind auf die Schulter und begann es über den Fluss zu tragen. Irgendwas war merkwürdig an diesem Kind. Es sah so leicht aus und fühlte sich so schwer an. Mit jedem Schritt schien das Wasser zu steigen. Mit jedem Schritt schien das Kind schwerer zu werden. Ich kämpfte mich durch den Fluss. Das Wasser nun bis zum Hals und gerade so bis zum Ufer.

Keuchend ließ ich das Kind von meiner Schulter steigen. „Was sollte das?“, schrie ich es aus Wut an, „Du bist so schwer! Als hätte ich die ganze Welt getragen.“ Das Kind schaute mich nur ruhig an und antwortete: „Kein Wunder. Ich bin der, den Du suchst. Ich bin Christus. Der, der Himmel und Erde erschaffen hat und der die Sünden dieser Welt trägt. Der den Du suchst und dem Du dienst.“ Ich schaute ihn ungläubig an. „Damit Du weißt, dass ich die Wahrheit sage: Nimm deinen Stab und steck ihn, wenn ich gegangen bin, in die Erde. Morgen wird es ein Baum sein.“

Ich tat es. Schlief ein und wachte am nächsten Tag unter einem prächtigen Apfelbaum auf.

Das ist meine Geschichte, wie ich den mächtigsten Herrscher der Welt suchte, fand und diente.

auf reisen - kleiner reisesegen

Dieser Text ist Teil des Heftes „auf reisen - kleiner reisesegen“, welches 2018 von Tobias Sauer / ruach.jetzt für die Autobahnkirche Baden-Baden entwickelt worden ist. Das Heft liegt kostenlos an und in der Autobahnkirche Baden-Baden aus.